In den Foto- und Filmarbeiten von Pierre Huyghe uberlagern sich zahlreiche Realitatsebenen. Fur seine Plakatwand-Projekte Mitte der neunziger Jahre hat er diverse Schauplatze fotografiert und dann die Bilder genau an den Orten installiert, die auf ihnen abgebildet sind. So erzeugte er ein Gefuhl der zeitlichen Dissoziierung, während die raumliche Kontinuitat gewahrt schien. Auch in seinen Filmen erkundet Huyghe die Zone zwischen sich uberschneidenden Realitaten: In L'ellipse, 1998, einer dreifachen Videoprojektion, beschäftigt er sich mit der ,,Ellipse" - dem harten Schnitt - in Wim Wenders Film ,,Der Amerikanische Freund", T977. Mit Bruno Ganz engagierte er eine der Hauptfiguren dieses Films. Dann zeigte er, was ,,zwischen" den beiden Szenen auf der linken und rechten Seite der Seine passierte, die Wenders durch einen harten Schnitt aufeinander folgen ließ. So gelingt es ihm, den Zeit- und Raumsprung des Filmes zu überbrücken. Selbst wenn dabei im Hinblick auf die narrative Struktur des Films ein Gefuhl der Kontinuitat entsteht, eröffnet sich zugleich eine zeitliche Diskrepanz, weil Ganz auf dem 21 Jahre später gedrehten Material gealtert ist. Für den Neunminutenfilm The Third Memory, 2000, engagierte Huyghe John Wojtowicz, der 1972 einen von den Medien im groBen Stil begleiteten Bankuberfall begangen hatte. Wojtowicz sollte das Verbrechen vor einer Kulisse abermals aufführen. Der Uberfall war nicht nur von verschiedenen Fernsehsendern live ubertragen worden, auch Sidney Lumet hat die Geschichte 1975 mit Al Pacino in der Hauptrolle in ,,Dog Day Afternoon" verfilmt. Huyghe verschränkte Ausschnitte aus der ursprünglichen Berichterstattung und aus Lumets Film mit seinem Material. Nicht nur unser Wissen um den Überfall ist durch den Hollywood-Film eingefärbt, sondern sogar Wojtowicz' eigene Erinnerung. Fakten und Fiktion vermischen sich, und Wirklichkeit und Erinnerung erweisen sich als maßgeblich durch das Medienspektakel konstituiert.

http://www.guggenheim.org
http://www.aim.se/Index/artists/huyghe.html

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